Anmerkung zur Magie der Medien

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass eine Kommunikation, eine Gefühlsäusserung oder eine Begegnung genau dann in ihrer Qualität völlig inhaltslos wird und ganz folgerichtig entweder stockt oder gar endet, sobald sie fotografiert, gefilmt oder tonaufgezeichnet wird? Man nehme dies einmal als Hypothese und gehe mit dem Gedanken eine Weile „schwanger“, indem man sich möglichst viele verschiedenartige Situationen dieser Art vor Augen führt (z.B. die Videoaufnahme bei einem Kindergeburtstag, das Interview vor der Kamera, Fotos mit Händeschütteln von Politikern, die Wahrnehmung eines Sonnenuntergangs oder Wasserfalls usw…).

Schon wieder zurück? Ich bin sicher, dass Sie solche Situationen schon beobachten konnten!

Bei weiterer Betrachtung wird deutlich, daß technisch aufgezeichnete Vorgänge selbst da, wo sie in der Realität nach der Aufnahme einen Fortgang haben, oft nur deshalb nicht sofort enden, damit der aufgezeichnete Vorgang nicht völlig zu einem realen Nichts wird. Also nicht, weil der dann Vorgang an sich, sondern weil dann seine Aufzeichung (!) in Frage stände.

Genau hier stehen wir an dem Punkt, wo Aufzeichnung, Reflexion und Wiedergabe der Realität wichtiger werden als die Realität selbst. Oder deutlicher gesagt: Eigentlich steht dann die Realität dem hohen Wert ihrer Wiedergabe nur noch insoweit im Wege, als die Wiedergabe von ihr abhängig ist.

Genau hier ist flächendeckend und auf allen Ebenen der Standort unserer Kultur.


Ralf Rabemann

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Anmerkungen zur Kunst

texte/anmerkungen/anmerkungen_zu_den_medien.txt · Zuletzt geändert: 2013/05/30 00:52 von rabemann
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