Das Naturell eines Kritikers

Den kulturellen Menschen als einen Werdenden und Wachsenden erkennt man daran, daß er offen für Neues bleibt.

Diese Offenheit für Neues gilt ihm weniger als eine Scheune mit grossem Tor, in welcher jeder ihm einfahrende Unrat willkommen ist, sondern als ein reich bepflanzter Garten, in welchem die Wurzeln jedes Samens zunächst Halt und Nahrung finden, bis sich dem Garten dies Gewächs als Nutzen oder als Kompost für Neues, Späteres erwiesen hat.

Wessen Garten jedoch an die Grenze seiner möglichen Größe und Weite gestossen ist, dem ist nichts anderes mehr recht als das, wozu er dort entsprechende Beete und Plätze findet - basierend auf das bereits Bestehende als Entsprechung zu dem ihm Bekannten und auf das aus dieser Kenntnis zu Erwartetende. Alles andere wird er bemängeln, kritisieren und mehr oder minder offen zu verhindern suchen, da es ihm - so nützlich es auch sein mag, in seinem Garten nur als Unkraut denkbar ist.



Ralf Rabemann

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texte/anmerkungen-kunst/das_naturell_eines_kritikers.txt · Zuletzt geändert: 2014/02/16 03:25 von rabemann
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